Ich erinnere mich noch genau an das erste Semester meines Studiums.
Alles war neu, aufregend, ein bisschen chaotisch und gleich zu Beginn stand ein Einführungsprojekt auf dem Plan.
Ehrlich gesagt, hatte ich damals auch ein wenig Angst. Ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Aber gleichzeitig war ich unglaublich neugierig und fasziniert von allem, was mit User Experience zu tun hatte.
Und dann hieß es plötzlich: Thema: „AR-Brille für Fahrradfahrer:innen“.
Wir sollten eine Benutzeroberfläche entwickeln, die Radfahrer:innen hilft, sicherer und schneller ans Ziel zu kommen und das mithilfe von Augmented Reality.
Ich war begeistert.
Vom ersten Brainstorming zur Persona
Wir waren ein Team von vier Studierenden, und gleich am ersten Tag starteten wir mit einem intensiven Brainstorming.
Ideen flogen nur durch den Raum: Funktionen, Layouts, mögliche Designs, Sicherheitsaspekte.
“Wie könnte so eine Brille aussehen?”
“Welche Informationen wären sinnvoll während der Fahrt?”
“Wie viel Ablenkung ist noch vertretbar?”
Schon nach kurzer Zeit hatten wir die ersten Personas entwickelt, typische Nutzerprofile, mit ihren Bedürfnissen und Zielen.
Aber das reichte uns nicht. Wir wollten wissen, ob unsere Annahmen stimmen.
Raus auf die Straße – echte Menschen, echte Reaktionen
Also gingen wir hinaus.
Wir führten Interviews auf der Straße, suchten gezielt verschiedene Zielgruppen: Pendler:innen, Studierende, Freizeitradler:innen. Wir fragten, ob sie überhaupt regelmäßig Fahrrad fahren, was ihnen beim Fahren wichtig ist und wie sie die Idee einer VR-Brille einschätzen würden, die ihnen Orientierung und Sicherheit bietet.
Ich erinnere mich noch genau an diese Interviews auf der Straße.
Es war amüsant: Jedes Mal, wenn wir uns vorstellten und sagten, dass wir UX-Studenten sind, schauten uns die Leute erst fragend an. Die meisten hatten keine Ahnung was „UX“ überhaupt bedeutet. Also erklärte mein Kollege jedes Mal geduldig – irgendwann schon mit einem kleinen Lächeln: „UX steht für User Experience – also dafür, wie Menschen ein Produkt erleben.“
Diese Gespräche waren für mich ein Schlüsselmoment. Ich habe verstanden, dass UX nicht mit Design beginnt – sondern mit Verstehen.
Mit Neugier und mit Menschen.
Mein Fazit
Unser Projekt endete mit Wireframes, Konzepten und einer klaren Struktur für die Benutzeroberfläche.
Zum Schluss haben wir sogar ein Video erstellt, das zeigt, wie Personen die VR-Brille im Alltag nutzen würden, eine kleine Simulation unseres Konzepts.
Obwohl es nur ein Uni-Projekt war, fühlte es sich plötzlich ganz real an.
Was geblieben ist, war dieses besondere Gefühl, wirklich etwas gelernt zu haben.
Das gute Gestaltung nicht beim Zeichnen anfängt, sondern beim Zuhören, Verstehen und Mitfühlen.
Seitdem hat sich vieles verändert und ich habe unglaublich viel dazugelernt.
Ich habe verstanden, dass UX weit mehr ist als ein hübsches Interface oder ein schönes Layout.
Am Ende geht es um menschliches Verhalten. Darum, wie Menschen denken, fühlen und handeln, wenn sie mit Technik in Kontakt kommen.
UX bedeutet, genau diese Erfahrungen zu verstehen und so zu gestalten, dass sie sich natürlich anfühlen.
